Chronik

Der Gestütsgründer Hubert Wagner stammt aus einer alten Pferdezüchterfamilie, die bis zum Ursprung des deutschen Rennsportes reicht.

So hatte sein Ur-Ur-Großvater mütterlicherseits, Daniel Kessler aus Harsberg 1817, als Vertretung im Bayrischen Landtag zu tun ( die Pfalz gehörte damals zu Bayern). Er reiste hierzu mit der Postkutsche (Eisenbahn gab es noch nicht) nach München. Unterwegs lernte er einen Franzosen kennen, der in Landau zustieg. Von ihm konnte er die vierjährige, tragende, englische Vollblutstute Madame Vestris nach langer Bemühung kaufen. Er kaufte die Stute ungesehen und gab dafür die gesamten Sitzungsgelder aus.

Er kaufte die Stute in dem Wissen, dass Herzog Christian IV die Zweibrücker Rasse aus solchen englischen Stuten, gepaart mit arabischen Hengsten gründete. Und solche arabischen Hengste gab es im Landgestüt Zweibrücken.

Die Stute brachte 1818 ein Hengstfohlen. Das Fohlen bekam den Namen Lord of the Isles. Den Namen erfand der Bruder von Daniel Kessler, der Pfarrer war und über Fremdsprachenwissen verfügte. Ein englischer Vollblüter sollte auch einen englischen Namen haben. 

Der damalige Vorstand des Landgestüt Zweibrücken Baron Failly war von dieser Aktion nicht sehr angetan. Er favorisierte damals das arabische Blut als unschlagbar. So kam es, wie es kommen musste, - Die Leistungsfähigkeit der Araber sollte in einem Rennen der arabischen Pferde gegen den dreijährigen Lord of the Isles belegt werden.

Das Rennen sollte nach der Heuernte auf den Birkhauser Gestütswiesen zwischen Mittelbach und Zweibrücken stattfinden.

Kessler ließ den Hengst von dem kleinen leichten Jungen, Balthasar Flickinger aus dem Nachbarort Neumühle trainieren, der dafür mit Butterbroten belohnt wurde, die ihm die nötige Kraft verleihen sollten. Der junge Flickinger kam aus sehr armen Verhältnissen.

Das Rennen fand, nachdem Failly in Vorrennen die besten seiner Araber ermittelte, im August 1821, nach der Ohmeternte statt und Lord of the Isles gewann mit Flickinger überlegen.

Die Urkunde, die Failly dem Sieger als Erinnerung überreichte, sowie die Abstammungspapiere der Pferde durfte Hubert Wagner 1974 bei einem Besuch bei seinem Großonkel Edmund Kessler, Fröhnerhof, ( im Rennsport bekannt als Besitzer und Züchter des Steepler Agrarprinz) selbst in den Händen halten. Allerdings war beiden damals nicht bewusst, dass das der historische Beweis über den Ursprung des deutschen Rennsportes in Zweibrücken, lange vor Doberan war. Edmund Kessler wollte Hubert Wagner mit diesen Unterlagen beweisen, dass, wie er sich ausdrückte, unsere Familie die ersten Vollblüter in der Pfalz besaß.

Leider sind die historischen Unterlagen seit dem Tod von Edmund Kessler verschollen.

Am 28. August 1969 brachte die Rheinpfalz in der Regionalrubrik “ Kaiserslauterer Rundschau, - Bürger im Landkreis ”, einen Bericht über Edmund Kessler. Dort wurden diese Unterlagen, die Kessler den Reporter vorlegte, ebenfalls erwähnt. Leider erhielten wir aus Presserechtlichen Urhebergründen, keine Genehmigung von der Rheinpfalz den Artikel hier einzustellen.

 

 

Herschberger Pferderennen,

wiederbelebt 1966: der Verdienst von Hubert Wagner

Ende der fünfziger Jahre wurden die Pferde aus der Landwirtschaft, als Arbeitstiere durch die Mechanisierung, verdrängt. In dieser Zeit konnte sich kaum jemand vorstellen, dass sich „Otto Normal“ ein Pferd nur so zum Vergnügen, ohne es wirtschaftlich zu brauchen, halten kann. Der Pferdebestand ging rapide zurück. Die Stutenherde des Landgestüt Zweibrücken wurde 1960 aufgelöst und auch das traditionelle Herschberger Pferderennen fand mangels Interesse nicht mehr statt.

Es war 1964 als Hubert Wagner die ersten Erfahrungen im schnelleren Galopp ( Renngalopp) machte. Das Gefühl, wenn die Augen durch den Windzug zu tränen begannen, berauschte.

Zu dieser Zeit absolvierte Hubert Wagner eine Landwirtschaftslehre in Schauerberg und war auch „Mopedfahrer“. Da bald jeder wusste, dass er „Pferdemann“ ist, war der Gesprächsstoff der älteren Bauern mit ihm meist die Erinnerungen vom Herschberger Pferderennen.

Hubert Wagner verstand nicht, warum dieses Rennen nicht mehr stattfand. Im Herbst 1964 setzte er sich Sonntag Nachmittags auf sein Moped und fuhr nach Wallhalben zu Ludwig Ziegler, Würschhausermühle. Ludwig Ziegler war der Präsident des Herschberger Reitervereins, der zwar immer noch bestand, aber alle Aktivitäten eingestellt hatte.

Ludwig Ziegler erklärte dem Sechzehnjährigen, dass das Rennen nicht mehr stattfinden könne, weil das Interesse zu gering sei. Hubert Wagner konnte sich damit aber nicht abfinden. Als er dem guten Ludwig Ziegler zum fünften Mal hintereinander die sonntägliche Mittagsruhe raubte, ließ sich dieser zu einem folgenschweren Vorschlag hinreißen. Vermutlich wollte er nur den Plagegeist loswerden.

Ludwig Ziegler schlug vor, dass Hubert Wagner versuchen solle, sechs verschiedene Pferdebesitzer aus sechs verschiedenen Dörfern der Sickingerhöhe zu einer verbindlichen Unterschrift mit der Verpflichtung ein Pferd beim Herschberger Pferderennen starten zu lassen, beizubringen. Dann könne das Pferderennen wieder stattfinden.

In dieser Zeit ein schier unmögliches Unterfangen...

Der alte Fuchs Ludwig Ziegler wusste aber, wenn ein einheimisches Pferd aus einem Höhdorf startet, dann ist das halbe Dorf auf den Beinen um zu sehen, wie das Pferd abschneidet. Dann wird so ein Renntag wieder ein sicherer Erfolg.

Auf der Konradsmühle, Wallhalben, fand Hubert Wagner in Kurt Jung, eine wichtige Hilfe. Kurt Jung lieferte sehr wichtige Ideen, wer da auf der Höhe für das Projekt begeisterbar sein könnte. Hubert Wagner quälte Woche für Woche sein Moped über die Sickingerhöhe um seine Unterschriften zu bekommen. Meist erntete er ein Lächeln. Aber er ließ nicht locker. Immer wieder zu den Leuten.

Im Spätsommer 1965 standen die Unterschriften.

Unterschrieben hatten in dieser Reihenfolge:

Hubert Wagner, Hermersberg

Hans Blinn, Schauerberg

Benno Mayer, Knopp

Otto Schneider, Weselberg

Xaver Müller, Harsberg

Heinz Geier, Martinshöhe

 

Ludwig Ziegler war sichtlich überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet. Er berief im Herbst 1965 erstmals wieder eine Versammlung des Reitervereins ein mit dem Tagesordnungspunkt Pferderennen. Er begann die Versammlung nach der Begrüßung mit den Worten: Es senn do widder junge Leit do, di werre renne wollen.

Es wurde für 1966 wieder ein Herschberger Pferderennen geplant.

Man wollte aber dem Neubeginn eine gute Zukunft geben, indem die Bahn im Maibächel besser werden sollte. Das Maibächeltal bestand damals aus, durch das Bächlein, recht nassen Wiesen, wo nach überraschenden Wärmegewittern, sowohl Aktive wie auch Zuschauer im Schlamm stecken blieben. Dies wollte man verbessern.

Der Herr Wasyl Zuck aus Herschberg, zum Beispiel, hat damals wochenlang seine Arbeitskraft unentgeldlich, dem mittellosen Reiterverein zur Verfügung gestellt, während einer Militärübung, wo die Amerikaner mit großen Radlader und Raupen einen trockenen Weg am Waldrand schoben.

Egon Scheidhauer, der jahrelang als Starter fungierte, grub wochenlang mit seinem kleinen Schlepperanhängebagger ein neues Bachbett entlang des neuen Weges, so dass das Maibächel aus der Talmitte an den Talrand verlegt werden konnte. Damit war die Rennstrecke trockener und auch sicherer.

Nicht zu vergessen, der große Organisator Udo Wagner, ohne den damals überhaupt nichts gelaufen wäre, und

3die vielen, vielen ehrenamtlichen Helfer, die hier nicht mehr alle genannt werden können.

Am 12. 6. 1966 fand erstmals wieder ein Herschberger Pferderennen statt. Das Sickingerhöhrennen, für das die Unterschriften gesammelt wurden, hatte einen so großen Zuspruch, dass das Rennen in drei Läufe geteilt werden musste.

Hubert Wagner ritt sein erstes öffentliches Rennen und konnte es gewinnen.

Wenn heute das Rennen immer wieder in Frage steht, weil Wiesenbesitzer ( das Tal besteht aus Privatwiesen) hohe Entschädigungen fordern, so sollte man diesen Wiesenbesitzern mal alte Bilder zeigen, wie die Grundstücke waren, bevor sie der Reiterverein „urbar“ gemacht hat.

Die ersten Vollblüter

Seinen ersten Vollblüter erwarb Hubert Wagner 1973 auf der Kölner Herbstauktion. Ein vierjähriger Wallach „Idomeneus“ von Mercurius. Ein großrahmiger, schwerer Vollblüter, der für den Springsport gedacht war. Idomeneus ging unter Hubert Wagner auch einige Springprüfungen der Klasse A und L. Er wurde aber im Parcours immer sehr „heiß“.

1976 ließ sich Hubert Wagner für den Rennsport wieder mehr begeistern, und Idomeneus lief die ersten B-Rennen.

Im Herbst 1976 legte Hubert Wagner die Besitzertrainerprüfung ab. 1977 begann dann ein richtiger Einstieg in den Rennsport. Idomeneus war ein ausgezeichnetes Lehrpferd für einige Amateurreiter und den „Trainerlehrling“ Hubert Wagner.

Von den Pferden der Besitzertrainerlaufbahn von Hubert Wagner sollen hauptsächlich noch genannt werden: Alpenprimel, Halma, Bordighera. Sie alle waren die „Lehrpferde“

Nachdem der Landwirtschaftsmeister Hubert Wagner im Jahre 1986 in Hannover seine „Gestütsmeisterprüfung“ (Pferdewirtschaftsmeister Zucht und Haltung) abgelegt hatte, erfüllte er die Voraussetzungen für die Zulassung zur „Berufstrainerprüfung“ (Pferdewirtschaftsmeister Rennreiten), die er 1987 ablegte.

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Sextant

Als 1989 der Vollblutdeckhengst Sextant gekauft wurde, kam in 1990 die Gründung des Gestüt Sickingen, mit 10 Vollblutstuten, allerdings geringerer Qualität.

1994 wurde die Vollblutzucht auf diesem Niveau jedoch wegen wirtschaftlicher Unausführbarkeit eingestellt und mit der Zucht von gescheckten Rennpferden begonnen. Mit der Einstellung der Vollblutzucht wurde auch die Trainertätigkeit eingestellt, um sich von dem Rennsport etwas zu distanzieren. Aber das funktioniert nicht, weil das Virus zu tief sitzt.

Rennpferde sind eben ein sehr aufwendiges Hobby, das viel Geld kostet. Wenn man diese Kosten investiert, dann muss das Spaß machen.

Hubert Wagner ist der Meinung, dass Rennsport nur Spaß macht mit besonderen Pferden, am Besten mit selbstgezüchteten. Ihm fehlt aber die wirtschaftliche Substanz um, bei derzeitigen Decktaxen, besonders gute Rennpferde züchten zu können. Darum entschloss er sich auf seine Weise besondere Rennpferde, tobianogescheckte Rennpferde zu züchten.

Scheckenzucht

Als Blaz ons Fancy Amir im Herbst 1993 als erster gescheckter Araber, in Deutschland gekört wurde, konnte er im Frühjahr 1994 erstmals zur Zucht verwendet werden.

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Aus unserem Bestand wurden ihm zwei Vollblutstuten zugeführt. Eine wurde nicht tragend, die andere brachte ein einfarbiges Hengstfohlen.

In 1995 wurden ihm die Stuten Grey Darling, Itomi, Bordighera, Mihara und Minhai zugeführt.

Grey Darling und Itomi blieben leer.

Mihara brachte in 1996 ein einfarbiges Stutfohlen

Bordighera brachte bei Michael Klein ein geschecktes Hengstfohlen ( Brillant )

Minhai brachte uns ein geschecktes Hengstfohlen ( Mythos)

Daraufhin hat Michael Klein den Hengst Blaz ons Fancy Amir verkauft. Wegen Querelen mit dem neuen Besitzer wegen vereinbarter Freisprünge der in 1995 leer gebliebenen Stuten, stand der Hengst uns nicht mehr zur Verfügung.

Von allen anderen Stuten bekamen wir nur einfarbige Fohlen. Nachdem die einfarbigen Fohlen aus diesen Paarungen nur vierjährig, gut geritten, für wenig Geld an Freizeitreiter, also sehr unwirtschaftlich, vermarktet werden konnten, haben wir die dann meistens als Fohlen verschenken müssen, da sie zum Schlachten zu lieb waren.

Brillant wurde nach Norddeutschland verkauft. Da seine Mutter Bordighera von Priamos stammt, hat er nicht einen Muttervater der in unser Zuchtkonzept passt, da wir Zuchthengste nach Mutterväter auswählen.

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Als letzter Strohhalm blieb uns Mythos. Er hat eine Sextant-Mutter, was in unser Zuchtkonzept passt. Als er als Zuchthengst eingesetzt werden sollte, gab es Probleme beim Decken. Sein Penis ist nur ca. 30cm lang. Da er nur 156cm groß ist sollten ihm größere Stuten angepaart werden. Das hat nicht funktioniert. Ein Phantom nimmt er nicht an.

In 2000 hat er eine Ponystute gedeckt, die ein einfarbiges Fohlen verfohlt hat. Und seine Mutter Minhai. Diese brachte 2001 ein geschecktes Hengstfohlen mit nun 75% engl. Vollblut. (Montevideo) Auf diesem Hengst ruhten nun alle unsere Hoffnungen.

Für diesen Hengst kauften wir mit Espindola und Washington Square eine wertvollere Stutengrundlage.

Der Hengst Montevideo musste aber 2003 wegen großen Rückenprobleme aufgegeben werden. Vermutlich hat sich die Inzucht gerächt.

Espindola brachte uns nach Mythos ein einfarbiges Stutfohlen und ein einfarbiges Hengstfohlen, die wir beide verschenkten. In 2008 hat sie aber alles wettgemacht und uns das Hengstfohlen ELDORADO geschenkt. ( siehe bei Zuchtprodukte ). Das Fohlen ist ein Traum. Es hat alles, was man sich vorstellen kann, Größe, Korrektheit, Bewegungen, ist spritzig und schnell, dazu anmutig und sehr umgänglich und lieb. In ihm haben wir nun unseren zukünftigen Deckhengst gefunden.

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Washington Square brachte uns ein Vollblutstutfohlen nach Devil River Peek, und von Mythos zwei gescheckte Stutfohlen. (Stutfohlen 2008 – siehe Zuchtprodukte). Das Stutfohlen von 2006 soll nun 2009 dreijährig, wenn es gesund bleibt, als wahrscheinlich erstes geschecktes Rennpferd auf die Rennbahn, um zu testen, in wie weit die Zucht schon reicht um in Rennen mitkommen zu können.

Heute am 14. November 2008 haben wir den schmerzlichsten Rückschlag in unserer Zucht erleiden müssen. Eldorado ist nicht mehr. Er lag heute Morgen ohne jeglichen Vorzeichen tot in seiner 9x6m großen Box. Wir hatten alle Hoffnungen in diesen Hengst gesetzt. Nun wurde er uns genommen.

Alles geht von vorne los.

Die Rennfarbe des Gestüts Sickingen

Rennfarbe FARBIG

- Für alle, die sich im Rennsport nicht so auskennen:

Unter Rennfarbe versteht man den Dress unter dem die Pferde im Rennen starten. Durch den Dress des Reiters ist der Besitzer des Pferdes erkennbar. Jeder Besitzer von Rennpferden ist verpflichtet eine Rennfarbe beim Direktorium für Vollblutzucht und Rennen eintragen zu lassen. Eine Rennfarbe kann nach Ablauf fortgeschrieben, oder auch auf Lebzeit eingetragen werden. Ein Gestüt kann seine Rennfarbe befristet oder auf unbestimmte Zeit eintragen lassen –

 Das Gestüt Sickingen hat bei seiner Gründung, die Rennfarbe seines Gründers übernommen (lila, weißer Streifen auf Brust und Rücken, weiße Kappe), später aber nicht mehr verlängert und nun eine neue Rennfarbe auf unbestimmte Zeit eintragen lassen, die besser zur Lage, Geschichte und Standort des Gestüts passt.

Beschreibung der Rennfarbe

Schwarz, Sickingerbollen auf Brust und Rücken, gelbe Ärmel, weiße Kappe

Das Gestüt Sickingen hat seinen Namen von seiner geographischen Lage. Es befindet sich auf der Sickingerhöhe, einem Plateau im Dreieck zwischen den Städten Kaiserslautern, Pirmasens, Zweibrücken gelegen, das früher zum Herrschaftsbereich der Sickinger gehörte. Die Wappenfarben der Sickinger waren schwarz- gelb- weiß. Das Wappenzeichen war die fünf Bollen des Würfels. Farben und Bollen gehören heute noch zu den Wappensymbolen fast aller Ortsgemeinden der Sickingerhöhe.

Die Rennfarben des Gestüt Sickingen orientieren sich an diesen Gegebenheiten.